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Thursday, December 22, 2011

EZB/ECB - EUR 500 Milliarden Linie für Europäische Banken - Risikotransfer von den Investoren zum Steuerzahler - Operation Dora gestartet

Autor Thomas Ramseyer
Europäische Zentralbank/European Central Bank (EZB/ECB) richtete am 21. Dezember 2011 eine Refinanzierungs-Fazilität im schwindelerregend exorbitant hohen Volumen von einer Halben Billion EUR (EUR 500'000'000'000 oder EUR 500 Milliarden)

Fakten
EUR 500 Milliarden lediglich Kreditlinie
Es handelt sich um eine Kreditlinie im Umfang von EUR 500 Milliarden.
Ausserordentlich ist nebst dem Betrag die lange Laufzeit von drei Jahren.
Der Zinssatz wird auf in etwa 1.35 % p.a. betragen.

Banken greifen nur im Bedarfsfall auf Limit zu
Die Banken können im Bedarfsfall auf diese Limite zurückgreifen.
Bei den Operationen handelt es sich um Repo-Transaktionen, welche mit Staatspapieren oder anderen gemäss Angabe der Zentralbank Obligationen besichert werden müssen. 

Repotransaktion  zwischen Banken und Zentralbanken (EZB und andere)
Bei einer Repo-Transaktion handelt es sich ähnlich dem Währungsswap um den Verkauf von Obligationen aus den Beständen der die Fazilität benutzenden Banken mit gleichzeitigem Rückkauf der selben Werte auf ein zu bestimmendes in der Zukunft (hier maximal 3 Jahre) liegendes Datum.

Veränderung am Geldmarkt ist nur Zinssatz
Die einzige Veränderung am Geldmarkt ist somit der günstige Zinssatz auf drei Jahre.

Das Schaufenster der Zentralbanken - Notenbankgeldmenge (M0) und andere Grössen
Im Schaufenster erhöht sich zwar die Zentralbankgeldmenge; die Geldmengen M1, M2, M3 verändert sich indessen nicht. Die Bilanzen der Banken verlängern sich in einer ersten Phase aufgrund solcher Transaktionen überhaupt nicht. M0 kann beliebig verändert werden. 

Per Notrecht können Banken verpflichtet werden, eigene Schuldverschreibungen der Zentralbanken zu übernehmen. Diese werden nicht zu M0 gezählt. (Um die tatsächliche Grösse von M0 abschliessend zu beurteilen, werden die eigenen Schuldverschreibungen ganz einfach zu den Giralgeldern addiert.

Beispiel Bilanzpositionen Schweizerische Nationalbank (SNB); siehe Passiven (Münzen und Noten + Giroguthaben + eigene Schuldverschreibungen) in der Zeitreihe. Volumen wird zwischen Schuldverschreibungen und Giralgeldern hin- und hergeflippert.

Wirtschaftausblick verhalten - Kunden fragen keine neuen Kredite nach
Die Kunden (Kreditnehmer) der Banken fragen wegen der lahmenden Wirtschaft keine Mittel nach.

Aus gleichen Ueberlegungen gepaart mit Angst keine neuen Kredite von Banken
Auf der anderen Seite gewähren die Banken den Kreditoren aufgrund des Ausblicks, die nämliche Verlangsamung bzw. Kontraktion der Wirtschaft kein Geld. Sie haben Bedenken, sich weiteren Abschreibungsbedarf ins Haus zu holen.

Zinsvorteil wird nicht an Wirtschaft weitergegeben - Banken sanieren sich
Es ist fraglich, ob die Banken den Zinsvorteil an ihre Kunden (KMU und grosse) bei der Verlängerung deren zur Fälligkeit gelangende Kredite weitergeben. Angesichts des prekären Ausblicks wohl eher nicht.

Wahrscheinlichkeit gross - Mittel in Staatspapieren geparkt
Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass diese Mittel in Staatspapieren angelegt werden. Hier verdienen die Banken mit kleinem bis gar keinem Risiko während vergleichsweise langer Zeit einen erklecklichen Zinsspread. Sie können sich dank der EZB/ECB gesundstossen. Dies haben die USA - Fed mit Grossbanken - seit Jahrzehnten vorexerziert.

EZB führt mehr als EUR 240 Milliarden Garbagepapiere
Die EZB/ECB hat Garbage-Staatspapiere im Umfang von zirka EUR 240 Milliarden gekauft. 

Wöchentlich kommen ungefähr EUR 7 Milliarden hinzu.
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Nominalwert ungefähr 500 Milliarden beträgt. 

Die Renditen auf Endverfall bewegen sich zwischen 6% und 20% p.a. Bei Griechischen Anleihen ist der Kapitalschnitt sicher mit berücksichtigt.

Der Grundstein für die Operation Dora ist gelegt
Eine Bazooka - sie wurde letzmals in den fünfziger Jahren von den USA eingesetzt - genügt hier wohl nicht. Es braucht ein grosskalibriges Geschütz mit enormer Durchschlagskraft, einer grossen Streuung und je nach Ladung einer mehr oder minder weiten Reichweite.

Der Hebel kann seine Wirkungsweise entfalten
1) Anforderung an Collateral verwässert
Die Anforderungen der EZB/ECB an die Qualität der Sicherheiten - bei Repo-Transaktionen "Collateral" genannt - werden aufgeweicht.

2)  Haircut inexistent - faktische Garantie und Not heiligt die Mittel
Der Haircut (Sicherheitsmarge) wird auf NULL gesetzt.

3) Mark-to-market ausgesetzt
Das Prinzip der Bewertung nach Marktverhältnissen wird sistiert; von den Banken brauchen im Falle von Preissenkungen keine Margincalls budgetiert zu werden. Die EZB/ECB wird keine zusätzlichen Sicherheiten einfordern.

4) Limite von EUR 500 Milliarden wird verdoppelt
Die Limite von zur Zeit EUR 500 Milliarden kann von der EZB/ECB unter dem Druck der Politiker bei dringendem Bedarf kräftig erhöht werden.

5) Banken erwerben unbeschränkt Garbagestaatspapiere
Die Banken können fast unbeschränkt weitere Staatsobligationen erwerben; deren Refinanzierung wird von der EZB sichergestellt. (Die Geldmenge wird sich auf diese Weise NICHT vergrössern. Die Risiken der Investoren werden lediglich auf die Banken übertragen. Die Investoren sitzen auf immensen Cashbeständen. Die Verschiebung von M0 zu M3 zeigt dies auf.

6) EZB verkauft Repo-finanzierten Garbage an die Banken
In einem einem ersten Schritt wird die EZB ihre Garbage-Bestände an die Banken gegen gleichzeitige Refinanzierung mittels Repo verkaufen. Für die EZB und die Banken erfolgt ein Aktiventausch ohne grossen Administrativaufwand.

7) EZB interveniert weiterhin an den Anleihenmärkten
Die EZB tritt weiterhin als kaufende Marktstütze auf; die Titel werden unverzüglich in der unter 6) beschriebenen Manier umgelagert.

8) EFSF, ESM verkaufen Putoptionen an Teilnehmer der Unternehmung Dora
EFSF und ESM - voll und ganz im Besitz der Staaten - verkauft den Banken Put-Optionen auf Garbageobligationen, um deren von der EZB neu erworbenen Bestände abzusichern.

9) Putoptionen verfügen über faktische Staatsgarantie
Die Bestände von die Garbageobligationen absichernden Put-Optionen (Berechtigung zur Andienung von Werten zu einem fixierten Preis für eine fixierte Laufzeit) haben faktisch Staatsgarantie. Der Steuerzahler, letztlich einzig wahrer Saviour of the last resort, wird es richten.

10) Finanzmarktaufsichten sind abgesichert
Den Anforderungen von Finanzmarktaufsichten ist somit Genüge getan. Dies sowohl für die Banken und viel wichtiger noch für die EZB/ECB.

Fazit
Investoren fürchten weitere Verluste
Die Investoren verharren immer noch an der Seitenlinie. Sie sitzen auf immensen Beständen von kurzfristigen Instrumenten aller Stufen.

Risiko wird an den Steuerzahler weitergereicht
Das Risiko wird von den Investoren über die Banken, EZB/ECB, EFSF, und ESM über die Staaten an die Steuerzahler weitergereicht. 

Umlagerung der Risiken von Mittel- und Unterschicht an Oberschicht
Einer weiteren Umlagerung von der Mittel- und Unterschicht an die Oberschicht wird Vorschub geleistet. Der bravourös aufgesetzte Gimmik ist schwierig zu beurteilen bzw. das Zerstörungspotential ist für den Mainstream fast nicht sichtbar.

Steuerzahler sind so oder so gelackmeiert
Vom Steuerzahler wird erwartet, dass er den Investoren so oder so den Gewinn aus den SPV ermöglicht. Die Rückzahlung zu Pari wird den SPV und somit deren Aktionäre dazu verhelfen.

Einzig Kapitalschnitte  bzw. Verminderung der Nominalwerte der ausstehenden Staatsschulden sowie Rückkauf von Staatsobligationen durch die Staaten selber tragen zur Entlasung der  steuerzahlenden Bürgern und Einwohnern bei; dies verursacht eine vorgezogene Verbesserung der Volkswirtschaften.

Dringende Empfehlung
0) Die Staaten kaufen ihre Schulden zurück oder sie halten Beteiligungen an den zu erschaffenden SPVs.

1) Die steuerzahlenden Stimmberechtigten und sämtliche Einwohner, die Exekutive, die Parlamente, alle Politiker werden zwingend von ESM/EFSF mit grosser Sorgfalt aufgeklärt.

2) Anreize werden geschaffen, damit sich die Bevölkerung vorsehen (Kreditabbau, Sparen) kann. Wirtschaftsflaute in Kauf nehmen.

3) Der Risikotransfer von den Investoren an die Steuerzahler/Bevölkerung muss im Auge behalten werden.

4) Der Risikotransfer muss im Verlauf dreier Jahre umgekehrt werden. Das Risiko muss wieder von Investoren getragen werden. Der Steuerzahler wird vom Risiko befreit.

Remedur zur Umkehr der Risikoverlagerung - Special Purpose Vehicles (SPV)
1) Lösung Special Purpose Vehicles in Form von AG
Special Purpose Vehicles in Form von Aktiengesellschaften werden geschaffen.

1.1) Collateral der Banken als Einlage bei SPVs
Die als Collateral dienenden bei den Zentralbanken eingelagerten Garbageobligationen nebst den Putoptionen, deren Laufzeit maximal 3 Jahre betragen werden gegen Zeichnung bzw. Liberierung des Aktienkapitals von den Banken und ESM, EFSF, EZB, als Realeinlagen an die Special Purpose Vehicles (SPV) übertragen.

2) Primärzeichner EFSF, ESM und Staaten des EUR-Raumes
Der EFSF, ESM und die Staaten zeichnen und liberieren das Aktienkapital.

3) Emissin grosser Anzahl von Aktien
Eine ausserordentlich grosse Anzahl von Aktien werden geschaffen.

4) Sekundärplazirungen im Publikum
Die Investment Banken arrangieren Sekundärplazierungen für das Publikum.
4.1) Die Sekundärplazierungen im Publikum erfolgen zu Marktwerten.

5) SPV AG hat lediglich Eigenkapital; niemals aber Fremdkapital
Es werden zwingend keine Obligationen verschiedener Risikoklassen wie etwa beim Prinzip Gordon Knot der Pleite gegangenen Sigma emittiert.

7) Risikofähige Investoren vorhanden - positive Aussicht für SPV
Das Publikum (risikofähige Investoren) übernehmen die Aktien mit der Aussicht auf die Rückzahlung der in Portolios der Special Purpose Vehicels Aktiengesellschaften liegenden Garbage Staatsobligationen.

8) Disziplinierte Staaten verhelfen SPVs zum Erfolg
Aufgrund von Austerität, Disziplin und Durchhaltewillen gestützt durch die Androhung empfindlicher Strafen der EUR-Mitgliedstaaten, verbessern sich die Staatsfinanzen substantiell; Rückzahlungen zu Pari (100%) stehen ins Haus. Die Konvergenzkriterien werden wieder angewendet.

9) Aktien an Börsen kotiert - Marketmaking garantiert
Die Aktien der SPVs werden an den Börsen kotiert und gehandelt. Das Marketmaking wird von EZB und bezeichneten Banken garantiert.

10) Privatanlegern, Hedgefunds, Fonds und Banken legen an
Die Aktien werden von Privatanlegern, Hedgefunds, Fonds und Banken weltweit gekauft. Die Kotierung erlaubt Portfoliomanagern und Anlegern das Umschichten bezüglich Qualität und Anlagegruppen.

Anweisung
Remedur raschmöglichst implementieren.

copyright Thomas Ramseyer